23.12.2025
Viel zu früh und völlig unerwartet ist Justus Zeyen von uns gegangen. Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Liedpianisten unserer Zeit, vor allem aber einen außergewöhnlichen Menschen, einen engen Freund, einen inspirierenden Lehrer und einen hingebungsvollen Familienvater.
Geboren in Kiel, erhielt Justus Zeyen seine erste pianistische Ausbildung bei Cord Garben, bevor er sein Studium in Hannover unter anderem bei Karl Engel und Bernhard Ebert fortsetzte. Sein musikalischer Schwerpunkt lag in der Kammermusik und insbesondere in der Liedbegleitung – getragen von einer tiefen Hingabe an Wort und Musik, die sein künstlerisches Wirken auf unverwechselbare Weise prägte.
Seine internationale Karriere führte ihn durch Europa, die USA und Japan. Als Liedpianist war er an den großen Musikzentren der Welt zu erleben – an der Mailänder Scala, in der Elbphilharmonie Hamburg, bei den Salzburger Festspielen, in der Carnegie Hall New York, dem Teatro Colon in Buenos Aires, der Wigmore Hall London, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Wiener Konzerthaus und Musikverein und vielen anderen bedeutenden Orten. Er musizierte mit herausragenden Künstlerinnen und Künstlern wie Juliane Banse, Measha Brueggergosman, Diana Damrau, Christiane Karg, Dorothea Röschmann und vielen mehr sowie mit den Chören des Bayerischen, Mittel- und Süddeutschen Rundfunks und dem Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Eine besonders enge künstlerische und menschliche Verbindung hatte Justus Zeyen seit den ersten gemeinsamen Konzerten beim Kammermusikfest Lockenhaus 1994 mit Thomas Quasthoff. Ihre Zusammenarbeit setzte Maßstäbe und führte sie auf die großen Bühnen der Welt, darunter die Berliner Philharmonie, die Wigmore Hall London, der Musikverein und das Konzerthaus Wien, das Concertgebouw Amsterdam sowie die Carnegie Hall New York. Ebenso eng und freundschaftlich war seine Zusammenarbeit mit Florian Boesch und Michael Schade. Für die Sänger*innen des machreich artists management war Justus Zeyen weit mehr als ein Pianist – er war ein Vertrauter, ein künstlerischer Wegbegleiter und ein enger Freund.
Die zahlreichen Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon, vielfach ausgezeichnet mit dem ECHO Klassik, dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Cannes Classical Award und Grammy-Nominierungen, dokumentieren sein außergewöhnliches Können – eine Kunst des Zuhörens, des Mitatmens und des gemeinsamen Erzählens.
Neben der Bühne war Justus Zeyen ein leidenschaftlicher Pädagoge. Bis 2020 lehrte er an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und gab Meisterkurse unter anderem in Tanglewood, New York, Boston, London und bei der Schubertiade Schwarzenberg. Seit Herbst 2020 hatte er eine Professur für Liedgestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien inne.
Sein feiner, oft trockener Humor, seine Wärme, seine Bescheidenheit und seine unerschütterliche Menschlichkeit machten ihn zu einem Lehrer, einem Kollegen, einem Freund, den man liebte und dem man vertraute.
Justus Zeyen war ein großartiger Mensch. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke – in seiner Familie, der unsere tiefste Anteilnahme gilt, und in der internationalen Musikwelt. Seine Kunst und seine Freundschaft werden uns fehlen. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit für alles, was er uns geschenkt hat.
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