05.09.2025
Manchmal beginnt ein musikalischer Disput nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit spitzer Feder. Im Jahr 1737 veröffentlichte der deutsch-dänische Komponist und Musikkritiker Johann Adolph Scheibe eine Glosse in seiner Zeitschrift „Der Critische Musicus“. Zielscheibe seiner fast schon bösartigen Spitze war kein Geringerer als Johann Sebastian Bach: Ohne ihn beim Namen zu nennen, kritisierte er dessen Kompositionsstil als „verworren“ und „schwülstig“. Die Antwort folgte prompt: Der Rhetorikdozent Johann Abraham Birnbaum sprang seinem Freund Bach öffentlich zur Seite. Und so entbrannte ein musiktheoretischer Streit, der sich über Jahre hinzog.
Gemeinsam mit Max Volbers und Concerto Köln begibt sich Marie-Sophie Pollak auf diesem nun bei Berlin Classic veröffentlichtem Album auf eine musikalische Entdeckungsreise und stellt ausgewählte Werke von Bach und Scheibe – darunter nicht weniger als vier Ersteinspielungen – einander gegenüber. Statt eines Zwists entsteht auf diese Weise ein Dialog, der von Marie-Sophie Pollak mit scheinbar mühelosem historischen Stilgefühl und differenzierter Ausdrucksstärke vorgetragen wird, während Concerto Köln hierbei seine große klangliche Flexibilität unter Beweis stellt und von einer kleinen kammermusikalischen Formation bis hin zum großen Orchester mit Pauken und Trompeten zu hören ist. Der preisgekörnte Blockflötist und Cembalist Max Volbers bringt seine fundierte Erfahrung im Bereich der Alten Musik ein und übernimmt die Leitung des Ensembles von Cembalo und Orgel aus.
Wenn zwei sich musikalisch so brillant „streiten“, dann freut sich das Publikum!
BACH VS. SCHEIBE
Arien und Instrumentalwerke von Johann Sebastian Bach und Johann Adolph Scheibe
Marie-Sophie Pollak | Max Volbers | Concerto Köln
Berlin Classics